Sambasta

Rhythm of Resistance Freiburg.
Sambasta, basisdemokratische Trommelgruppe 2006 bis Sommer 2016


Schlegel 'gen Himmel

Historisches bei Radio Dreyeckland oder Linksunten - 2


(Stand 29.06.2016 - 22h spacetime)

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Statements

RoRfrei : linksunten zensiert (2) - Andere zum Thema AZ : (3)(2009)(2011)(2014)(2016)

Sambasta(kts) : ein Statement wird es nach Rücksprache vermutlich nicht geben



Warum wir die KTS verlassen und warum es jetzt zwei RoR-Gruppen in
Freiburg gibt!




Um Gerüchten vorzubeugen und Klarheit zu schaffen, haben wir
beschlossen, diese Stellungnahme zu veröffentlichen:


Als Großteil von SamBasta, wie sie bis vor wenigen Monaten bestand,
bestehen wir, die Verfasser_innen dieses Textes, weiterhin als aktive
Rhythms-of-Resistance (RoR) Band [1]  .  Allerdings verorten wir uns
nicht mehr in der KTS. Ein Grund dafür ist die Zuspitzung eines
Konfliktes, der zu unwiderruflichem Vertrauensverlust führte. Wir
verstehen die Hintergründe des Vorgehens von einigen, in SamBasta und in
der KTS aktiven Menschen, gegen einen von uns, als gewollte Kampagne
gegen einen "unliebsam" gewordenen Menschen, der Kritik an den
Strukturen geäußert hat. Für uns ist diese Rufmord-Kampagne ein
Verhalten, das wir menschlich und politisch nicht tolerieren wollen.
Unser Austritt aus der KTS ist ein politisches Statement und eine
Konsequenz dieser Kampagne, denn wir wollen die dort herrschenden
Zustände, Umgangsweisen und Hierarchien nicht weiter hinnehmen.


Wir ziehen uns jedoch nicht ohne vorangegangene Versuche zurück,
Umgangsweisen und Machtstrukturen innerhalb der KTS aufzubrechen.
Angefangen haben wir damit nach internen Diskussionen im Frühjahr 2015
mit mehreren Workshops zur "Moderation von Plena und
Konsensentscheidungen in Gruppen". Einige von uns haben einen ähnlichen
Workshop beim Netzwerkcamp im Sommer 2015 gegeben. Aus diesem Workshop
ist die Arbeitsgruppe "AZ & Konsens" entstanden. Die Gruppe setzte sich
zusammen aus Teilnehmenden unterschiedlicher politischer Zusammenhänge,
viele in  der KTS aktive menschen. Wie schon einige Gruppen vorher,
hatte "AZ & Konsens" sich zum Ziel gesetzt, die KTS wieder offener,
horizontaler und einladender für viele Menschen zu gestalten. Aus
ähnlichen Gründen wie wir jetzt, haben sich schon in der Vergangenheit
verschiedene Gruppen aus der KTS zurückgezogen. Einige wichtige Aspekte
in der Zielsetzung von "AZ & Konsens" waren die politische Diversität in
autonomen Räumen, die Kritik an der Redekultur und der selektiven
Blockadehaltung im Montagsplenum, sowie das Fehlen queerer und
feministischer Gruppen im "Autonomen Zentrum" (AZ) Freiburgs.
Wir unterstützen diese Kritik und versuchen nach wie vor, die ihr
zugrunde liegenden Werte zu reflektieren und in unserer politischen
Praxis umzusetzen. Als Teil des RoR-Netzwerks, welches sich auf die
PGA-Hallmarks [2] beruft, finden wir uns in der Zielsetzung von "AZ &
Konsens" wieder.


Dass die Gruppe "AZ & Konsens" explizit Menschen aufgrund geäußerter
Schutzbedürfnisse von der Startphase einer Zukunftswerkstatt
ausgeschlossen hat, kann mensch methodisch und taktisch hinterfragen und
diskutieren. Für uns ist diese Entscheidung insofern nachvollziehbar, da
einzelne Personen in Räumen und Prozessen innerhalb des AZ's auf derart
dominante Art Platz einnehmen, dass andere sich nicht mehr sicher genug
fühlen, um ihre Meinungen, Bedürfnisse oder Ängste zu äußern. Um eine
offene Diskussion ohne Angriffe und Dominanzverhalten zu ermöglichen,
wurde entschieden, einen temporären Ausschluss einzelner Personen in
Kauf zu nehmen, um einen geschützten Raum zu schaffen. Ein
Schutzbedürfnis wurde hierbei höher gewertet als die volle Transparenz
während des Startprozesses der Zukunftswerkstatt. Die fehlende
Legitimation durch das Montagsplenum wurde kritisiert und das Vorgehen
als "Angriff auf die KTS - Strukturen" verurteilt. Die Kritik als solche
wurde dadurch überwiegend ignoriert. Ein Hinterfragen des eigenen
Verhaltens und der eigenen Rollen wurde somit umgangen.
Auch die "Amtsenthebungen" der an der "AZ & Konsens" Gruppe Beteiligten
gleicht einem schlechten Schauprozess und verdeutlicht die Hegemonien in
der KTS. Statt politischer Diversität strebt unserer Ansicht nach eine
gefühlte Minderheit eine Gleichmachung an. Demnach fällt raus, wer und
was nicht auf Linie zu bringen ist. Das sind Verhaltensweisen, die wir
in einem autonomen Raum nicht wünschen und dulden können.


Außerdem sehen wir die Distanzierung von den verbliebenen "SamBastas"
als notwendig an, da sie tragende Rollen in der Zuspitzung des
Konfliktes gespielt haben. Neben dem Vertrauensverlust  ist uns im
Rahmen des Konfliktes klar geworden, dass es konträre Auffassungen vom
Umgang miteinander (fehlende Achtsamkeit, Informationspolitik, etc.) und
den politischen Zielen innerhalb der Band gab. Wir kritisieren das
Vorgehen der in "SamBasta" Verbliebenen, ohne Rücksprache mit dem Rest
der Gruppe einen Neueinsteiger_innen Workshop zu organisieren und somit
ohne weitere Absprache den Namen "SamBasta" für sich zu beanspruchen.



Was wollen wir?

Von einem autonomen Raum und unserer Bezugsgruppe wünschen wir uns
gemeinsame Politik, die sich durch Selbstreflexion weiterbringt,
Rollenverhalten hinterfragt, sowie einen offenen und sicheren Raum für
Kritik und Austausch auf Augenhöhe bietet. Wir wünschen uns
linksradikale Politik mit vielen möglichen Ansätzen. Aktuell hingegen
haben wir den Eindruck, dass es eine "unsichtbare Linie" gibt, die von
einigen Wenigen gezogen wird und an der die "politische Richtung der
KTS" bzw. deren Gruppen ausgerichtet wird. Wir wünschen uns eine
Stimmung im AZ, die empathisches Miteinander ermöglicht und kritisches
Denken fördert. Gleichzeitig sehen wir ein AZ als einen Lernraum, in dem
wir miteinander Erfahrungen teilen können und anti-autoritäres Handeln
erproben können. Wir wünschen uns konsensuelle Entscheidungsfindungen
auf Grundlage von Argumentation und Diskussion. Dazu braucht es
Bereitschaft zum Konsens. Wenn Polemik, Drohungen und Vorwürfe der
rationalen Argumentation entgegenstehen, dann läuft etwas schief! Wir
lehnen autoritäre Zusämmenhänge ab, erst recht  in der Linksradikalen.
Wir brauchen keine Chefs und auch kein Mackertum! Wir verurteilen die
aktive Verteidigung von Machtpositionen! Es ist nicht leicht, ein
hierarchiefreies Miteinander konsequent zu leben, aber wir möchten uns
dem annähern.


In diesem Sinne wünschen wir uns auch einen verstärkten
anti-patriachalen Diskurs für Freiburg und mehr pro-feministische Praxis
in der sogenannten anarchistischen Szene. Außerdem möchten wir mehr
Vernetzung, Begegnung und Kooperation mit unterschiedlichen politischen
Gruppierungen. Statt destruktiver innerlinker Kleinkriege wünschen wir
uns eine gemeinsame und konstruktive Suchbewegung und Praxis. Dazu
müssen anscheinend neue Räume geschaffen und bestehende reformiert
werden. Unserer Meinung nach müsste sich dazu in der KTS einiges
grundlegend ändern.


Wir sind betroffen über die Geschehnisse, die weit in persönliche
Bereiche hineinragen. Auch ist es ein Armutszeugnis, dass sich immer
weniger Menschen und Gruppen im AZ wohl fühlen. Aus genannten Gründen
brechen auch wir mit der aktuellen Situation in der KTS. Ein Raum, der
die Partizipation verschiedener Menschen und Gruppen ermöglichen will,
würde schließlich auch eine horizontalere, breitere Selbstverwaltung
zulassen. Jedoch sehen wir momentan zu große Hürden für oben
angesprochene Wünsche und Ziele.


Trotz allem kommen wir gestärkt aus diesem Prozess und freuen uns mit
neuer Energie und einer gefestigten Gruppe bald wieder aktiv zu werden
und unsere Utopien in die Realität umzusetzen.




Wenn ihr Fragen zu diesem Text habt, schreibt uns gerne an:
rorfrei@untenlinks.ch (Rorfrei Key 0x15A56E44.asc). Diese neue Kontaktadresse
darf gerne in Eure Verteiler aufgenommen werden.

Diskutiert diesen Text, macht euch Gedanken, hinterfragt und
reflektiert, fühlt Euch angesprochen, verfasst Antworten und Kommentare,
oder lasst es bleiben!




Im Juni 2016
ehemals Sambasta
RoR-Frei


    [1] https://www.rhythms-of-resistance.org/
    [2] https://www.nadir.org/nadir/initiativ/agp/free/pga/hallm.htm


Rhythms of Resistance